Weihnachtliche Rezepte aus dem Erzgebirge

Mit seinen traditionellen Schwibbögen, handgemachtem Christbaumschmuck, Räuchermännchen und anderen Weihnachtsdekorationen ist das Erzgebirge heutzutage mehr als jede andere Region in Deutschland als ein einzigartiges Weihnachtsland bekannt. Das hängt nicht zuletzt mit der Bedeutung zusammen, die das Weihnachtsfest in der hügeligen Region immer schon neben und zusammen mit den Bräuchen des Erzabbaus hatte.

Weuhnachtsessen Erzgebirge

(Bildquelle: © Africa Studio - Shutterstock.com)

Die Arbeit in den vielen Gruben und Stollen des Erzgebirges war zwar in früheren Zeiten schon der Garant für einen bescheidenen Wohlstand, aber gleichzeitig auch körperlich sehr anstrengend. Daher sind viele traditionelle Rezepte aus der Region Erzgebirge auch vergleichsweise deftig, da sie Kraft und Gesundheit für die schwere Arbeit geben sollten.

Zu Weltruhm hat es insbesondere der berühmte Christstollen aus dem nahen Dresden gebracht. In den ländlicheren Regionen des Erzgebirges gibt es aber noch weitere Leckerbissen, die besonders in der Adventszeit für leuchtende Augen am Esstisch sorgen.

 

Das erzgebirgische "Neunerlei"

Ein fixer Bestandteil auf vielen weihnachtlichen Tafeln im Erzgebirge ist das sogenannte "Neunerlei" oder im Dialekt auch "Neinerlaa". Diese Bezeichnung steht für ein aus insgesamt 9 verschiedenen Gerichten bestehendes Weihnachtsmenü, wobei die einzelnen Bestandteile in den verschiedenen Regionen des Erzgebirges und je nach Familientradition variieren können. Ein fixer Bestandteil sind aber meist Klöße und Linsen. Als übrige Bestandteile eines weihnachtlichen "Neunerleis" kommen beispielsweise die folgenden Speisen in Betracht:

  • Gänse- oder Schweinebraten
  • Kaninchen
  • Hülsenfrüchte: Erbsen, Linsen oder Hirse
  • Sellerie
  • Heringssalat
  • Kartoffelsalat
  • Semmelmilch
  • Dörrobstkompott
  • Bratwurst
  • Bratapfel
  • Rote Beete
  • Sauerkraut

 

Den einzelnen Speisen aus dem "Neunerlei" werden verschiedene Bedeutungen für die Zukunft zugeschrieben. So sollen Hülsenfrüchte das Kleingeld im Haus behalten und Bratwürste für Kraft und Wohlstand stehen. Während der Sellerie für Fruchtbarkeit sorgt, sollten Klöße als Glücksbringer für finanziellen Wohlstand vor dem Auftischen nicht gezählt oder möglichst in einer ungeraden Anzahl auf den Tisch gebracht werden.

Unbedingt sollten auch Brot und Salz auf den Tisch gestellt werden, damit beide Grundnahrungsmittel im Folgejahr nicht ausgehen. In manchen Häusern im Erzgebirge wird bei einem Weihnachtsessen mit erzgebirgischem "Neunerlei" auch ein zusätzliches Gedeck für einen womöglich überraschenden Gast auf den Tisch gestellt.

 

Erzgebirgischer Speckkuchen

Als Zutaten für den erzgebirgischen Speckkuchen benötigt man:

  • eine Packung frischen Blätterteig (etwa 230 Gramm)
  • 100 Gramm geriebenen Käse (Bergkäse oder Emmentaler)
  • vier Eier
  • eine Gemüsezwiebel
  • 150 Gramm magere Speckwürfel
  • 400 Gramm Saure Sahne
  • einen halben Teelöffel ganze Kümmelkörner
  • einen Teelöffel Kräuterjodsalz
  • etwas Pfeffer

 Speckkuchen aus dem Erzgebirge

 (Bildquelle: © margouillat photo - Shutterstock.com)

Zunächst legt man eine Springform (mit etwa 28 cm Durchmesser) mit dem Blätterteig aus, dabei sollte man an den Seiten einen Rand hochziehen. Die Zwiebel wird nach dem Schälen fein gewürfelt und mit Käse, Speck, Eiern und Saurer Sahne verrührt. Mit Kümmel, Pfeffer und dem Kräuterjodsalz wird die Mischung gleichmäßig gewürzt. Sobald die Mischung auf dem Boden aus Blätterteig verteilt wurde, kann der erzgebirgische Speckkuchen bei etwa 200 Grad Celsius im vorgeheizten Backofen für etwa 45 bis 55 Minuten gebacken werden.

 

Klitscher - sächsische Kartoffelpuffer

Im Erzgebirge und in Teilen von Sachsen werden Kartoffelpuffer aus bereits vorgekochten Kartoffeln meist als Rauchemad bezeichnet, solche aus roh geriebenen Kartoffeln als Klitscher. Für original sächsische Klitscher benötigt man:

  • ein Kilogramm Kartoffeln
  • ein bis zwei Eier (je nach Größe)
  • 100 Milliliter Buttermilch (ersatzweise auch Milch)
  • eine große Zwiebel
  • etwas Öl zum Ausbacken
  • zum Würzen: Salz, Muskat, Kümmel

 Sächsische Klitscher aus dem Erzgebirge

 (Bildquelle: © Aleksandra Duda - Shutterstock.com)

Die Kartoffeln werden für erzgebirgische Klitscher roh gerieben. Sind noch Reste von gekochten Kartoffeln vorhanden, können diese maximal bis zu einem Drittel der Menge beigemischt werden. Die Zwiebel wird fein gerieben oder auch sehr fein gewürfelt. Das Ei wird zunächst gut mit der Buttermilch oder Milch vermischt, dann wird es zusammen mit den Gewürzen, den Kartoffeln und den Zwiebelwürfeln in einer Schüssel verrührt. Mit der Hand werden nun flache Puffer geformt und vorsichtig in das in der Pfanne bereits erhitzte Öl gegeben.

Nach dem beidseitigen Ausbacken lässt man die Klitscher noch kurz auf etwas Küchenpapier abtropfen, bevor man sie dann gleich frisch und heiß verzehrt. Die Klitscher werden im Erzgebirge je nach individuellem Geschmack herzhaft mit Salz, Tomatenscheiben oder Frischkäse oder in der süßen Variante mit etwas Apfelmus und Zucker verzehrt.

 

Erzgebirgischer Weihnachtsstollen

Der original erzgebirgische Weihnachtsstollen, wie er weltweit auch auf zahlreichen Weihnachtsmärkten zu finden ist, sollte möglichst bereits zu Beginn der Adventszeit gebacken werden, da er seinen optimalen Geschmack erst bei einem Anschnitt nach einer Lagerzeit von mindestens 2 Wochen entfaltet. Für zwei mittelgroße Stollenlaibe benötigt man die folgenden Zutaten:

  • ein Kilogramm Mehl
  • 500 Gramm Rosinen oder Sultaninen
  • 400 Gramm Kristallzucker
  • 200 Gramm gehackte Mandeln
  • zwei Würfel frische Hefe
  • 300 Milliliter Milch
  • vier Esslöffel Rum (oder ersatzweise Rumaroma in entsprechend geringerer Menge)
  • 150 Gramm Zitronat
  • 50 Gramm Orangeat
  • 750 Gramm weiche Butter
  • eine abgeriebene Zitronenschale
  • drei Teelöffel Salz
  • ein halbes Fläschchen Bittermandelaroma
  • 75 Gramm Puderzucker
  • Backpapier
  • Alufolie

 Weihnachtsstollen aus dem Erzgebirge

 (Bildquelle: © TinasDreamworld - Shutterstock.com)

Zunächst werden etwa 250 Milliliter Milch erwärmt, die frische Hefe wird in dieser aufgelöst. Die Milch darf aber nicht kochen, da sonst die Hefe abgetötet wird. Das Mehl wird in eine große Schüssel geschüttet, in der Mitte wird in einer Mulde aus Milch, Hefe und etwas Mehl vom Rand ein Vorteig angesetzt. Dieser muss etwa 30 Minuten lang (an einem warmen Ort) gehen.

Die gewaschenen Rosinen lässt man abtropfen, dann werden sie mit dem Rum oder Rumaroma beträufelt. Etwa 5 Esslöffel Milch werden erwärmt und mit den gehackten Mandeln vermischt. Man vermischt Zitronat, Orangeat, Mandeln, Salz, Bittermandelaroma, 500 Gramm Butter und 200 Gramm Kristallzucker mit dem Vorteig. Nachdem zuletzt auch die Rosinen unter den Teig gemischt wurden (weniger anstrengend mit einer Küchenmaschine mit Knethaken), muss der Teig erneut für etwa 2 Stunden ruhen.

Nach der Ruhezeit wird der Teig erneut durchgeknetet, bevor 2 ovale Laibchen geformt werden. Diese werden nebeneinander auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech gesetzt, wobei die Form mit einer übergestülpten Stollenhaube besser erhalten bleibt. Die beiden Stollen werden bei 175 Grad Celsius Ober- und Unterhitze für etwa 1 Stunde gebacken. Die Stollenhauben sollten (falls vorhanden) nach etwa 45 Minuten abgenommen werden.

Direkt nach dem Backen wird die restliche Butter geschmolzen. Davon wird ein Drittel auf den beiden Stollen verstrichen, bevor diese mit etwa 100 Gramm Zucker bestreut werden. Diesen Vorgang nach wenigen Minuten wiederholen. Schließlich auch das letzte Drittel flüssiger Butter aufstreichen und die Stollen dick mit dem Puderzucker bestäuben. Nach dem Abkühlen werden die beiden Stollenlaibe in Alufolie eingewickelt, damit sie mindestens zwei Wochen lang kühl und trocken durchziehen können.

 

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