Traditionelle Motive und deren geschichtlicher Hintergrund

Nicht ohne Grund sind heutzutage viele touristische Sehenswürdigkeiten im Erzgebirge im Bereich der traditionellen Handwerkskunst und thematisch rund um das weihnachtliche Dekorieren und Feiern angesiedelt. Schließlich haben es viele traditionelle Dekorationselemente aus dem Erzgebirge geschafft, einen weltweiten Siegeszug in die Wohnzimmer und unter die Weihnachtsbäume anzutreten. Rund um die Welt sorgen heute Räuchermännchen, Schwibbögen und Weihnachtspyramiden für die richtige Atmosphäre im Advent und an den Weihnachtstagen.

Moderner Schwibbogen Motiv Zwickau

Moderner Holzschwibbogen 70x45 cm mit Motiv Zwickau

Obwohl jedes Brauchtum auch einem gewissen Zeitgeist unterliegt und in der Geschichte der erzgebirgischen Volkskunst immer wieder genügend Raum für frische Impulse und zeitgemäße Neuerungen war, nehmen traditionelle Motive und Figuren auch jetzt noch eine zentrale Rolle bei der Gestaltung der verschiedenen Dekorationsartikel aus dem Erzgebirge ein. So laufen auf den Etagen vieler prunkvoller Weihnachtspyramiden nicht nur Tiere wie Rehe und Hasen im Kreis, sondern auch traditionelle Figuren wie die Sänger einer Kurrende oder Bergmänner in traditioneller Bergmannskleidung.

Engel und Bergmann - das weihnachtliche Duo aus dem Erzgebirge

Man muss sich die Kulturgeschichte der Region Erzgebirge ansehen, um die engen Zusammenhänge zwischen dem weihnachtlichen Kunsthandwerk und der Bergbausymbolik zu verstehen. Schließlich soll die Entstehung des Schwibbogens nicht zuletzt maßgeblich mit den Bergleuten zusammenhängen. So wurden beispielsweise die ersten Schwibbögen für den Außenbereich im 18. Jahrhundert von den zu den einzelnen Gruben gehörigen Schmieden aus Metall gefertigt. Als Inspiration für die Bogenform soll damals nicht nur das Himmelsfirmament gedient haben, sondern auch der mit Laternen behängte Eingang zum jeweiligen Bergwerksschacht.

Motiv Engel und Bergmann

(Bildquelle: © goldpix - Fotolia.com)

Wurden auf den Schwibbögen zunächst überwiegend Motive aus der biblischen Heilsgeschichte und Tiermotive dargestellt, so kamen im 19. und 20. Jahrhundert auch zunehmend regionale Bezüge bei den schließlich aus Holz gefertigten Schwibbögen auf. Diese hielten auch bei den Weihnachtspyramiden Einzug, die sich ungefähr zur selben Zeit aus dem Brauch der Aufstellung von mit Zweigen umwundenen Lichtergestellen entwickelt hatten. Als typisch für die Schnitzkunst in der Region um Seiffen gelten heute der charakteristische Seiffener Engel im Duo mit dem traditionell gewandeten Bergmann. Beide Figuren dienen in der Regel als weihnachtlicher Kerzenständer, bei dem an jedem Arm jeweils eine Kerze Platz finden kann. Während der Bergmann dabei für die typisch erzgebirgische Interpretation der Weihnachtsbräuche steht, stellt der weihnachtliche Engel in seiner schmuckvollen Erscheinung den Verkündigungsengel aus der Weihnachtsgeschichte dar. Beide Figuren sind bis heute nicht nur als Einzelfiguren beliebt, sondern werden auch in den kunstvoll gefertigten Figurenbestand von Schwibbögen und Weihnachtspyramiden integriert.

Die Kurrende als Motiv in der erzgebirgischen Volkskunst

Die sogenannte Kurrende ist ein Motiv, das heutzutage bei Schwibbögen und Weihnachtspyramiden besonders beliebt ist. In ihrer Bedeutung ist sie gewissermaßen mit den Weihnachtschören vergleichbar, die in Nordamerika in der Vorweihnachtszeit von Haus zu Haus ziehen. Kurrenden waren vom 16. bis in das 19. Jahrhundert kirchliche Knabenchöre, die aus finanziell bedürftigen Schülern (meist unter der Leitung eines älteren Schülers) bestanden. Diese sangen bei kirchlichen Anlässen rund um das Jahr gegen eine finanzielle Entlohnung. Im Verlauf der Geschichte wurden diese Chöre eng mit der Geschichte der Reformation verknüpft, sodass heutzutage Kurrenden in der Regel im charakteristischen schwarzen Umhang mit weißem Kragen und schwarzem Hut dargestellt werden.

Motiv Kurrende

(Bildquelle: © Björn Wylezich - Fotolia.com)

Diente die Kurrende ursprünglich der Wohltätigkeit gegenüber den Sängern rund um das Jahr, so wurde der Brauch im Rahmen von Wiederbelebungsversuchen im 20. Jahrhundert saisonal stärker an die Advents- und Weihnachtszeit gebunden. Insofern ist es eine noch eher junge und mit einem Hang zum Lokalkolorit erklärbare Entwicklung, dass Kurrenden-Motive in Verbindung mit der Seiffener Kirche oder vor einem Modell der Dresdener Frauenkirche bei Schwibbögen und Weihnachtspyramiden heutzutage besonders beliebt sind.

Das geht auch damit einher, dass die früher eher eindimensionalen Motive der Schwibbögen heute zunehmen figürlich mit aufwendig gestalteten Winterlandschaften verziert werden. Auf einer Weihnachtspyramide darf heute in der Regel die Kurrende auf einer der Etagen nicht fehlen. Schließlich symbolisiert die Rundbewegung der Pyramiden-Etagen die Bewegung der weihnachtlichen Chorsänger von Haus zu Haus und lässt in der Fantasie den weihnachtlichen Gesang der Chor-Figürchen scheinbar hörbar werden.

Das Räuchermännchen als Symbol für die Weihnachtszeit

Die Geschichte der Räuchermännchen geht im Erzgebirge ungefähr auf das Jahr 1830 zurück. Mit dem zunehmenden Handel und einem zurückgehenden Arbeitskräftebedarf im Bergbau wurde das Kunsthandwerk im 19. Jahrhundert zu einer wichtigen Säule der Wirtschaft in Sachsen und insbesondere im Erzgebirge. So werden bis heute in der Region nicht nur die charmant gestalteten Figuren mit Hohlraum für das Abbrennen der Räucherkerzen gefertigt, sondern auch die Räucherkerzen mit Gerüchen wie Weihrauch, Tannenduft und Sandelholz. Da das Räuchermännchen (oft im Dekor an verschiedene Handwerksberufe angepasst) in vielen Familien über Generationen hinweg zum festen Ritual festlicher Adventsabende geworden ist, hat es sich auch als Motiv und Symbol für die traditionelle Begehung des Weihnachtsfests an sich etabliert. Daher findet das Räuchermännchen neben seiner eigentlichen Nutzung auch ohne Räucherfunktion als Motiv beim Christbaumbehang, an Weihnachtspyramiden und der Gestaltung von Schwibbögen Verwendung. Auch als typisches Motiv auf Weihnachtskarten, die sich übrigens in etwa zur gleichen Zeit wie die Räuchermännchen als Weihnachtstradition etabliert haben, werden sie gerne und oft dargestellt. Weiterführende Informationen zur Geschichte der Weihnachtskarten sind zum Beispiel bei diesem Artikel bei Weihnachtskartenwelt zu finden.

Motiv Räuchermännchen

(Bildquelle: © Björn Wylezich - Fotolia.com)

Der Nussknacker im Dekor erzgebirgischer Volkskunst

Etwa seit dem Jahr 1870 gehört auch der Nussknacker zu den geradezu emblematischen Bestandteilen der weihnachtlichen Schnitzkunst im Erzgebirge. Die gleichzeitig funktional und ästhetisch nutzbaren Nussknacker in der Gestalt von Königen, Soldaten oder Bergknappen sind wie die Räuchermännchen und Engel zu einem Symbol für das Weihnachtsfest geworden, welches es auch allgemein in den Motiv-Kanon der künstlerischen Traditionen des Erzgebirges geschafft hat. So können stilisierte Nussknacker heutzutage nicht nur in ihrer eigentlichen Form, sondern auch unter einem Schwibbogen, als Figur einer Weihnachtspyramide oder als stimmungsvoller Baumbehang entdeckt werden.

Motiv Nussknacker

(Bildquelle: © helgidinson - Fotolia.com)

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