Die Geschichte und Bedeutung von Schwibbögen

Wer im Advent oder zur Weihnachtszeit durch das Erzgebirge fährt, sieht dort in Fenstern und Vorgärten unzählige Schwibbögen, die ihr stimmungsvolles Licht verbreiten. Und für viele Familien in Sachsen gehört der Schwibbogen ebenso untrennbar zur Weihnachtszeit wie der Christbaum, das Räuchermännchen oder die Pyramide.

Längst sind die charakteristischen Lichterbögen jedoch auch in anderen Regionen Deutschlands als Weihnachtsschmuck beliebt und haben im Ausland ebenfalls zahlreiche Fans gefunden. Ihren erzgebirgischen Ursprung können sie jedoch meist schon allein wegen ihrer typischen Bildmotive nicht verleugnen, von denen sich viele zu echten Klassikern entwickelt haben und die noch heute an das Leben und die Traditionen sächsischer Bergmannsfamilien erinnern.

Grubeneingang als Inspiration für Schwibbögen

Die Geschichte der Schwibbögen ist eng mit dem Bergbau im Erzgebirge verwurzelt (Bildquelle: © Heiko Zahn - Fotolia.com)

 

Weihnachtsschmuck mit jahrhundertelanger Tradition

Inzwischen blickt der Schwibbogen nachweislich schon auf eine fast dreihundertjährige Geschichte zurück, denn das älteste heute noch bekannte Exemplar wurde bereits im Jahr 1740 hergestellt. Die Bezeichnung "Schwibbogen" stammt übrigens aus der Architektur vor und bezeichnet dort einen frei stehenden Schwebe- oder Strebebogen, wie er beispielsweise an gotischen Kirchenbauten oder zur Abstützung von Häusern verwendet wurde.

Häufig wird behauptet, der Schwibbogen solle das Mundloch eines Stollens darstellen, - ein Motiv, das im vom Bergbau geprägten Erzgebirge bis heute noch hier und da zu sehen ist. Als wahrscheinlicher gilt jedoch, dass es sich um eine Anspielung auf den Himmelsbogen handelt, denn einige frühe Schwibbögen zeigen in ihrem Halbrund Darstellungen von Sonne, Mond und Sternen. Es wird vermutet, dass die Kerzen auf dem Schwibbogen die Sehnsucht der Bergleute nach dem Licht ausdrücken sollten, da diese während der Winterzeit meist schon vor Tagesanbruch in die Schächte einfuhren und erst nach Sonnenuntergang wieder von dort an die Erdoberfläche zurückkehrten. Dann sollte ihnen der im Fenster leuchtende Schwibbogen als Wegweiser für den Heimweg dienen.

Während Schwibbögen heute meist Bildmotive mit bergmännischem oder regionalem Bezug zeigen, sind die ältesten erhaltenen Exemplare mit Darstellungen des Sündenfalls sowie der Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies versehen, die inzwischen nicht mehr verbreitet sind.

Schwibbogen Metall mit Motiv Vogtland

Schwibbogen aus Metall mit regionalen Motiven (hier aus der Modellreihe Vogtland) verbinden Tradition und Moderne

 

Klassiker und moderne Versionen

Als Klassiker gilt heute vor allem der aus Holz gefertigte "Schwarzenberger Schwibbogen". Er zeigt in der Mitte zwei Bergleute, die ein Wappen mit den sächsischen Kurschwertern tragen und von zwei sitzenden Figuren, einer Klöpplerin und einem Schnitzer, flankiert werden.

Weitere typische Elemente sind bei dieser und ähnlichen Versionen die gekreuzten Bergmannswerkzeuge Schlägel und Eisen sowie ein Lichterengel, ein Leuchter, ein kleines Räuchermännchen und gelegentlich auch ein Hufeisen als Glückssymbol. Auch wenn dieses Motiv heute wohl das verbreitetste sein dürfte, ist es noch relativ jung und wurde erst 1937 im Rahmen eines Wettbewerbs von der aus Straßburg stammenden Künstlerin Paula Jordan entworfen. Auch Holz setzte sich erst allmählich als Material für Schwibbögen durch; ursprünglich wurden sie aus Metall hergestellt.

Anstelle von Kerzen wird inzwischen oftmals auch im Innenbereich eine elektrische Beleuchtung bevorzugt. Hinsichtlich der Größe variiert das Angebot von kleinen Miniaturbögen bis zu großen Schwibbögen für den Außenbereich. Neben den typischen Bergmannsmotiven finden sich häufig auch Schwibbögen mit Darstellungen verschiedener weihnachtlicher Motive oder markanter Bauten, wie beispielsweise der Dresdener Frauenkirche.

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